Lesetipp von
Sönke Christiansen
20.05.2022

Seit dem 24. Februar ist Krieg in der Ukraine und viele Ukrainer/innen müssen ihr Land verlassen und kommen auch nach Deutschland. Ich muss in diesem Zusammenhang öfter an das Buch von Natascha Wodin „Nastjas Tränen" denken, das schon im Herbst letzten Jahres erschien und in der Nachwendezeit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts spielt.
Natascha Wodin erzählt die Geschichte von Nastja, einer ausgebildeten Tiefbauingenieurin, die vor Armut und Perspektivlosigkeit ihre Heimat verlassen muss, um in Berlin als Putzfrau Geld für sich und ihre in der Heimat gebliebene Familie zu verdienen. Die Wege von Nastja und der Autorin kreuzen sich, als Natascha Wodin eine Putzfrau sucht und Nastja einstellt. Die gemeinsamen ukrainischen Wurzeln verbinden beide Frauen, doch die Schwierigkeit Nastjas, fern der Heimat anzukommen und sich ganz auf ein Leben in Berlin einzustellen, bilden auch unüberbrückbare Barrieren. Die Sehnsucht nach der Heimat, für den Leser aufgrund der dortigen Perspektivlosigkeit kaum nachvollziehbar, verhindert dieses Ankommen. So ist für Nastja, die extrem sparsam und bescheiden ist und sich jede Annehmlichkeit verbietet, das Leben in Berlin einzig dem Zweck verpflichtet, mit Zähigkeit und Ausdauer Geld zu verdienen und irgendwann wieder in die Heimat zurückzukehren.
Ein wunderbares Buch über eine starke Frau und darüber, wie unterschiedlich die Suche nach Glück ist. Natascha Wodin beschreibt dieses Leben in einer nüchternen, aber ungemein fesselnden Sprache, die mich das Buch in einem Stück durchlesen ließ.

Roman
Rowohlt Verlag, 22,00 €

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